Regenjacke fürs Wandern: Wassersäule, Atmungsaktivität, Schnitt und richtige Pflege
Worauf es bei einer Wander-Regenjacke ankommt: Wassersäule und RET-Wert verstehen, 2- oder 3-Lagen-Laminat, Kapuze und Belüftung, Regenhose, Poncho, Rucksackschutz und Imprägnierung ohne Fluorchemie.
In Deutschland ist es fast eine Gewissheit: Irgendwann auf einer Wanderung regnet es. Im Mittelgebirge kommt ein Schauer oft ohne Vorwarnung, in den Bergen kann ein Wetterumschwung aus einem Sommertag in einer Stunde einen nassen, kalten Nachmittag machen. Eine gute Regenjacke ist deshalb neben den Schuhen das wichtigste Kleidungsstück für draußen. Sie soll Regen und Wind abhalten, gleichzeitig Schweiß nach außen lassen, leicht sein und klein in den Rucksack passen. Keine Jacke kann alles perfekt. Wer die Fachbegriffe versteht, findet aber die Jacke, die zu den eigenen Touren passt, und hält sie mit der richtigen Pflege viele Jahre funktionsfähig.
Das Wichtigste in Kürze
- Wassersäule: Für Wanderjacken sind 10.000 Millimeter und mehr üblich und für Dauerregen mit Rucksack gut geeignet.
- Atmungsaktivität zeigt der RET-Wert: Je niedriger, desto besser. Unter 6 gilt als sehr gut, 6 bis 13 als gut.
- 3-Lagen-Jacken sind robust und für viel Nutzung gemacht, 2,5-Lagen-Jacken leicht und klein verpackbar.
- Wichtiger als Werte im Prospekt: eine Kapuze mit Schirm, die sich mit dem Kopf dreht, Belüftungsöffnungen und genug Platz für eine warme Schicht darunter.
- Waschen und neu imprägnieren hält die Jacke atmungsaktiv. Weichspüler zerstört die Funktion.
Hardshell, Softshell oder Poncho?
| Typ | Stärken | Schwächen | Gut für |
|---|---|---|---|
| Hardshell mit Membran | wasser- und winddicht, auch bei Dauerregen | weniger atmungsaktiv als Softshell, raschelt | Wandern bei jedem Wetter, Bergtouren |
| Softshell | sehr atmungsaktiv, dehnbar, angenehm | nur Schauer und Nieselregen, kein Dauerregen | trockenes, windiges Wetter, Aktivität |
| Poncho | deckt auch den Rucksack ab, sehr luftig | flattert bei Wind, unpraktisch am Grat | Wege im Wald, warme Regentage |
| Leichte Regenjacke ohne Membran (beschichtet) | günstig, leicht | schwitzt innen schnell | gelegentliche Nutzung, kurze Touren |
Für die meisten Wanderer ist eine Hardshelljacke mit Membran oder dichter Beschichtung die richtige Grundausstattung. Eine Softshell kann sie an trockenen Tagen ergänzen, ersetzen kann sie sie nicht.
Was die Wassersäule bedeutet
Die Wassersäule gibt an, wie hoch eine Wassersäule auf dem Stoff stehen kann, bevor Wasser durchdrückt. Sie wird in Millimetern angegeben. Je höher, desto mehr Druck hält der Stoff aus. Das ist wichtig, weil an Schultern und Hüfte der Rucksack das Gewebe auf den Körper presst und beim Knien oder Sitzen auf nassem Boden zusätzlicher Druck entsteht.
- Ab etwa 1.300 Millimetern gilt ein Stoff in vielen Prüfnormen als wasserdicht.
- Für Wanderjacken, die mit Rucksack im Dauerregen getragen werden, sind 10.000 Millimeter und mehr sinnvoll.
- Werte jenseits von 20.000 Millimetern bringen beim Wandern kaum noch Vorteile. Wichtiger sind dann Verarbeitung und Nähte.
Eine hohe Wassersäule nützt nichts, wenn Nähte und Reißverschlüsse undicht sind. Achte auf verschweißte oder getapte Nähte und abgedeckte oder wasserabweisende Reißverschlüsse.
Atmungsaktivität: der RET-Wert
Beim Wandern schwitzt du, besonders bergauf. Eine Jacke, die keinen Wasserdampf nach außen lässt, macht dich von innen nass. Die Atmungsaktivität wird häufig mit dem RET-Wert angegeben, dem Widerstand gegen den Wasserdampfdurchgang. Je niedriger, desto besser:
| RET-Wert | Einordnung |
|---|---|
| unter 6 | sehr atmungsaktiv |
| 6 bis 13 | gut |
| 13 bis 20 | befriedigend |
| über 20 | gering |
Manche Hersteller geben stattdessen einen MVTR-Wert an, der die Dampfmenge in Gramm pro Quadratmeter und Tag beschreibt. Hier gilt: je höher, desto besser. Die Werte verschiedener Messmethoden sind nicht direkt vergleichbar.
Selbst die beste Membran stößt an Grenzen, wenn du bei 18 Grad mit Rucksack bergauf gehst. Dann helfen Belüftungsöffnungen, ein langsameres Tempo und die richtige Schicht darunter, wie in Das Zwiebelprinzip beschrieben.
Laminate: 2, 2,5 oder 3 Lagen
- 2-Lagen-Jacken: Oberstoff und Membran sind verbunden, innen hängt ein loses Futter. Bequem, etwas schwerer, beliebt für Alltag und leichte Touren.
- 2,5-Lagen-Jacken: Statt eines Futters schützt ein aufgedruckter Film die Membran. Sehr leicht und klein verpackbar, aber weniger robust. Ideal als Notfalljacke, die meistens im Rucksack bleibt.
- 3-Lagen-Jacken: Oberstoff, Membran und Innenstoff sind fest verbunden. Robust, langlebig, gut unter schweren Rucksäcken. Die Wahl für häufige Nutzung und Bergtouren.
Schnitt und Details, die im Regen zählen
- Kapuze: Sie sollte einen versteiften Schirm haben, sich in Weite und Tiefe einstellen lassen und mit dem Kopf mitdrehen. Probiere im Laden: Siehst du zur Seite, ohne in die Kapuze zu schauen?
- Länge: Die Jacke sollte den Po bedecken, damit Wasser nicht in den Hosenbund läuft.
- Ärmel: lang genug, auch mit erhobenen Armen, mit einstellbaren Bündchen.
- Belüftung: Reißverschlüsse unter den Achseln lassen viel Wärme hinaus, ohne dass Regen hereinkommt.
- Taschen: hoch angesetzt, damit du sie mit Hüftgurt erreichst.
- Platz: Probiere die Jacke mit einer Fleeceschicht darunter an.
Regenhose, Gamaschen und Rucksackschutz
Eine leichte Regenhose ist für Bergtouren, Mehrtagestouren und kühles Wetter sinnvoll. Seitliche Reißverschlüsse erlauben das Anziehen über die Schuhe. Gamaschen halten Wasser und Schlamm aus den Schuhen, wenn du durch nasses Gras gehst. Für den Rucksack gibt es Regenhüllen. Sie halten aber nie ganz dicht, weil Wasser am Rücken hinunterläuft. Packe Schlafsack, Wechselkleidung und Elektronik zusätzlich in wasserdichte Packsäcke. Wie du einen Rucksack sinnvoll packst, steht in Wanderrucksack richtig packen.
Pflege und Imprägnierung
Die Oberfläche einer Regenjacke ist mit einer wasserabweisenden Ausrüstung behandelt. Sie lässt Wasser abperlen. Lässt diese Wirkung nach, saugt sich der Oberstoff voll. Die Membran bleibt zwar dicht, aber die Jacke atmet kaum noch, und du fühlst dich innen nass.
So pflegst du richtig:
- Waschen: nach Pflegeetikett mit einem Spezialwaschmittel für Funktionsbekleidung oder einem milden Flüssigwaschmittel, ohne Weichspüler. Schmutz und Hautfett verstopfen die Poren mehr als häufiges Waschen.
- Gut ausspülen, damit keine Waschmittelreste bleiben.
- Wärme: Viele Imprägnierungen werden durch Wärme reaktiviert, etwa im Trockner bei niedriger Temperatur oder durch Bügeln auf niedriger Stufe mit einem Tuch dazwischen. Beachte das Pflegeetikett.
- Neu imprägnieren, wenn Wasser trotz Wäsche nicht mehr abperlt: mit Sprüh- oder Einwaschimprägnierung.
Viele Hersteller sind auf Imprägnierungen ohne per- und polyfluorierte Chemikalien umgestiegen, weil diese Stoffe sich in der Umwelt anreichern. Die neuen Mittel perlen etwas weniger stark ab und müssen häufiger aufgefrischt werden, sind aber umweltfreundlicher.
Wann eine Jacke ersetzt werden muss
Abgeriebene Stellen an den Schultern, sich lösende Nahtbänder, Risse oder eine Membran, die sich vom Oberstoff ablöst, sind Zeichen, dass die Jacke ihre Arbeit nicht mehr zuverlässig tut. Kleine Löcher lassen sich mit Reparaturflicken schließen. Viele Outdoorgeschäfte und Hersteller bieten Reparaturservices an, die oft günstiger sind als ein Neukauf.
Häufige Fragen
Reicht ein Regenschirm?
Auf breiten Wegen im Mittelgebirge bei wenig Wind ist ein leichter Trekkingschirm erstaunlich angenehm, weil er nicht schwitzen lässt. Auf schmalen Pfaden, bei Wind und in den Bergen ist er keine Alternative zur Jacke.
Warum bin ich innen trotz Regenjacke nass?
Meist ist es Schweiß, der nicht schnell genug entweichen kann, oder der Oberstoff ist durchnässt, weil die Imprägnierung nachgelassen hat. Seltener sind undichte Nähte schuld.
Brauche ich im Sommer eine Regenjacke?
Ja. Sommergewitter bringen Starkregen und oft einen deutlichen Temperatursturz. Nass und im Wind kühlst du auch bei 15 Grad schnell aus. Mehr dazu in Gewitter beim Wandern.