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Karte und Kompass: Orientierung ohne Akku Schritt für Schritt

Maßstab, Höhenlinien, Karte einnorden und Marschrichtung bestimmen: die Grundlagen der klassischen Orientierung, die dir auch dann hilft, wenn das Handy streikt.

Heute navigieren die meisten Wandernden mit dem Handy, und das funktioniert erstaunlich gut. Trotzdem lohnt es sich, Karte und Kompass zu beherrschen. Akkus werden leer, Handys fallen in den Bach, und im tiefen Tal oder dichten Nebel ist das GPS-Signal manchmal ungenau. Vor allem aber hilft dir eine Papierkarte, den Überblick zu behalten: Du siehst auf einen Blick, wo Täler, Kämme, Hütten und Abstiegsmöglichkeiten liegen, und kannst deine Tour im Gelände besser einschätzen.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Grundlagen: wie du eine Wanderkarte liest, wie du sie mit dem Kompass einnordest und wie du eine Richtung bestimmst. Mehr brauchst du für die allermeisten Wanderungen in Deutschland nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Wanderungen eignen sich Karten im Maßstab 1:25.000 oder 1:50.000. Bei 1:25.000 entspricht 1 Zentimeter auf der Karte 250 Metern.
  • Höhenlinien zeigen das Gelände: Liegen sie eng beieinander, ist es steil.
  • Einnorden heißt, die Karte so zu drehen, dass ihr Norden in die tatsächliche Nordrichtung zeigt.
  • Ein Plattenkompass mit Anlegekante und drehbarer Skala reicht für Wanderungen völlig aus.
  • Die Abweichung zwischen magnetischem und geografischem Norden ist in Deutschland derzeit gering und für die meisten Wanderungen vernachlässigbar.

Die richtige Karte

Für Wanderungen haben sich zwei Maßstäbe durchgesetzt:

Maßstab1 cm auf der Karte entspricht1 km entspricht auf der KarteGeeignet für
1:25.000250 m4 cmdetaillierte Orientierung, Bergtouren, Tagestouren
1:50.000500 m2 cmÜbersicht, Fernwanderungen, Radtouren

Je kleiner die Zahl hinter dem Doppelpunkt, desto detaillierter ist die Karte. Für Tagestouren und vor allem für Wanderungen in den Bergen ist 1:25.000 ideal. Sie zeigt auch kleine Pfade, Quellen, Felsen und Hütten. Für eine Fernwanderung über mehrere Tage ist eine Karte im Maßstab 1:50.000 oft praktischer, weil du weniger Blätter brauchst.

Viele Wanderkarten in Deutschland werden von Landesvermessungsämtern oder Verlagen gemeinsam mit den Wandervereinen herausgegeben und enthalten die markierten Wanderwege. Achte auf das Erscheinungsjahr: Wege werden verlegt, und eine alte Karte zeigt manchmal Pfade, die es nicht mehr gibt.

Die Karte lesen

Eine Wanderkarte steckt voller Informationen. Die wichtigsten Elemente:

  • Legende: Am Rand oder auf der Rückseite erklärt sie alle Zeichen, von Wegen über Waldarten bis zu Aussichtspunkten und Schutzhütten. Ein Blick hinein lohnt sich vor jeder Tour.
  • Wege: Breite Straßen, Forstwege und schmale Pfade sind unterschiedlich dargestellt. Markierte Wanderwege sind oft farbig hervorgehoben, manchmal mit dem Symbol der Markierung.
  • Gitternetz: Viele topografische Karten haben ein Gitter mit Kantenlängen von einem Kilometer. Damit kannst du Entfernungen schnell abschätzen und Koordinaten ablesen.
  • Höhenpunkte: Gipfel und markante Stellen sind mit ihrer Höhe beschriftet.

Höhenlinien verstehen

Höhenlinien verbinden Punkte gleicher Höhe. Sie sind der Schlüssel, um das Gelände auf der Karte „zu sehen“. Der Abstand zwischen zwei Linien, die sogenannte Äquidistanz, ist auf der Karte angegeben, häufig 10 oder 20 Meter. Daraus kannst du ablesen:

  • Enge Linien bedeuten steiles Gelände, weite Linien flaches.
  • Geschlossene Kreise markieren Kuppen und Gipfel, manchmal auch Senken.
  • Linien, die sich wie ein V bergauf zuspitzen, zeigen ein Tal oder eine Rinne. Oft fließt darin ein Bach.
  • Linien, die sich wie ein V bergab zuspitzen, zeigen einen Rücken oder Grat.
  • Ein Sattel ist die tiefste Stelle zwischen zwei Gipfeln, auf der Karte erkennbar als Taille zwischen zwei Kreisen.

Wenn du vor einer Tour die Höhenlinien entlang deiner Route betrachtest, siehst du, wo es steil wird, wo du Pausen einplanen solltest und wo der Weg über einen offenen Rücken führt, auf dem du bei Gewitter nicht sein möchtest.

Der Kompass

Für Wanderungen reicht ein sogenannter Plattenkompass: eine durchsichtige Grundplatte mit Anlegekante und Richtungspfeil, darauf eine drehbare Kapsel mit Nadel und Gradskala. Teurere Modelle haben einen Spiegel zum Peilen, das ist praktisch, aber nicht notwendig.

Die Nadel zeigt mit ihrem roten oder markierten Ende nach magnetisch Nord. Halte den Kompass beim Ablesen waagerecht und fern von Metall, Handys und Magneten, zum Beispiel an Rucksackverschlüssen, denn sie können die Nadel ablenken.

Die Karte einnorden

Einnorden bedeutet, die Karte so auszurichten, dass sie mit dem Gelände übereinstimmt. Dann liegt alles, was rechts von dir in der Landschaft ist, auch auf der Karte rechts von deinem Standort.

  1. Leg die Karte waagerecht hin oder halte sie flach vor dich.
  2. Leg den Kompass mit der Anlegekante parallel zu den senkrechten Gitterlinien oder zum Kartenrand.
  3. Dreh die Kapsel so, dass die Nordmarkierung der Skala in Richtung Kartennord zeigt.
  4. Dreh jetzt Karte und Kompass gemeinsam, bis die Nadel in die Nordmarkierung der Kapsel zeigt.

Jetzt ist die Karte eingenordet. Ohne Kompass geht es auch grob: Richte die Karte an markanten Geländepunkten aus, etwa an einem Fluss, einer geraden Straße oder einem Gipfel, den du identifizieren kannst.

Eine Marschrichtung bestimmen

Angenommen, du stehst an einer Kreuzung und möchtest zu einer Hütte, die auf der Karte eingezeichnet ist, aber der Weg ist nicht eindeutig.

  1. Leg die Anlegekante des Kompasses auf der Karte so an, dass sie deinen Standort mit dem Ziel verbindet. Der Richtungspfeil der Platte zeigt zum Ziel.
  2. Dreh die Kapsel, bis ihre Nordlinien parallel zu den Nord-Süd-Gitterlinien der Karte liegen und die Nordmarkierung nach Kartennord zeigt.
  3. Nimm den Kompass von der Karte, halte ihn waagerecht vor dich und dreh dich, bis die Nadel in die Nordmarkierung der Kapsel zeigt.
  4. Der Richtungspfeil der Platte zeigt nun in deine Marschrichtung. Die Zahl an der Skala ist die Marschzahl in Grad.

Such dir in dieser Richtung einen markanten Punkt, etwa einen Baum oder Felsen, und geh darauf zu. Dann wiederhol die Peilung. So bleibst du auch ohne Weg auf Kurs.

Missweisung: Muss ich das berücksichtigen?

Magnetisch Nord und geografisch Nord liegen nicht an derselben Stelle. Den Winkel dazwischen nennt man Missweisung oder Deklination. In Deutschland ist sie derzeit gering, sie liegt im Bereich weniger Grad östlich und verändert sich langsam über die Jahre. Für die meisten Wanderungen, bei denen du dich an Wegen und Geländepunkten orientierst, kannst du sie vernachlässigen. Bei langen Peilungen über weglose Strecken oder im Ausland mit größerer Missweisung solltest du sie berücksichtigen. Der aktuelle Wert steht auf vielen Karten am Rand.

Den eigenen Standort bestimmen

Die häufigste Aufgabe unterwegs ist nicht das Peilen, sondern die Frage: Wo bin ich gerade? Dafür kombinierst du mehrere Hinweise. Zuerst nordest du die Karte ein. Dann vergleichst du markante Punkte in der Umgebung mit der Karte: eine Wegkreuzung, einen Bach, den Waldrand, eine Hütte, einen Gipfel in der Ferne. Die Höhenlinien helfen dir zu prüfen, ob du gerade an einem Hang, auf einem Rücken oder in einer Senke stehst. Schließlich überlegst du, wie lange du seit dem letzten sicheren Punkt unterwegs bist und wie weit du in dieser Zeit ungefähr gekommen sein kannst. Meist bleibt dann nur eine Stelle auf der Karte übrig, die zu allem passt.

Üben, bevor es darauf ankommt

Orientierung lernt man durch Übung, nicht durch Lesen. Nimm auf deinen nächsten Wanderungen die Karte mit, auch wenn du den Weg kennst. Bestimme an Kreuzungen, wo du bist, und vergleiche Gelände und Karte. Such auf der Karte den Gipfel, den du siehst. Und probier das Einnorden aus, wenn du Zeit hast und nichts davon abhängt.

Häufige Fragen

Brauche ich noch eine Papierkarte, wenn ich eine App nutze?

Für einfache Touren auf gut markierten Wegen reicht oft eine Offlinekarte auf dem Handy, idealerweise mit Powerbank. In den Bergen, auf langen Touren und in abgelegenen Gebieten ist eine Papierkarte eine wertvolle Ergänzung, weil sie keinen Strom braucht und einen besseren Überblick bietet.

Was ist ein Höhenmesser und brauche ich einen?

Ein Höhenmesser, oft in Outdoor-Uhren eingebaut, zeigt die aktuelle Höhe. Zusammen mit den Höhenlinien kannst du deinen Standort am Hang sehr genau bestimmen. Für Bergtouren ist das hilfreich, für Mittelgebirgswege meist nicht notwendig.

Wie lerne ich das am besten?

Viele Alpenvereinssektionen, Wandervereine und Volkshochschulen bieten Orientierungskurse an. Ein Nachmittag mit Übungen im Gelände bringt mehr als jedes Buch.

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