Kühe auf der Weide: sicher vorbei mit Hund und Kindern, Mutterkühe und Herdenschutzhunde
Warum Mutterkühe ihre Kälber verteidigen, wie du Weiden mit Hund und Kindern sicher durchquerst, Warnzeichen erkennst und dich bei Herdenschutzhunden verhältst.
Kühe auf einer Almwiese gehören zum Bild, das viele vom Wandern in den Bergen im Kopf haben. Meist sind die Tiere friedlich, grasen, dösen und schauen Wanderern höchstens neugierig hinterher. Trotzdem kommt es jedes Jahr zu Zwischenfällen, bei denen Wanderer von Kühen bedrängt, umgestoßen oder verletzt werden. Fast immer spielen dabei zwei Dinge eine Rolle: Mutterkühe mit Kälbern und Hunde. Wer die Körpersprache der Tiere versteht und ein paar einfache Regeln beachtet, kommt fast immer problemlos an jeder Herde vorbei. Das gilt auch für Schafherden, die zunehmend von großen Herdenschutzhunden bewacht werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Halte Abstand, mindestens 20 bis 50 Meter, wenn der Weg es erlaubt. Kühe nicht streicheln, füttern oder fotografieren aus nächster Nähe.
- Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Gehe nie zwischen Kuh und Kalb hindurch.
- Hunde an der kurzen Leine führen. Greift die Herde an: Leine loslassen, damit Hund und Mensch getrennt fliehen können.
- Warnzeichen: gesenkter Kopf, Scharren, Schnauben, lautes Brüllen, die Herde rückt zusammen und kommt näher. Ruhig zurückziehen, nicht rennen.
- Bei Schafherden mit Herdenschutzhunden: stehen bleiben, die Hunde schnüffeln lassen, in großem Bogen und ruhig weitergehen.
Warum Kühe gefährlich werden können
Kühe sind keine aggressiven Tiere. Sie sind Herdentiere, die auf Bedrohungen gemeinsam reagieren. Gefährlich wird es vor allem in zwei Situationen:
Mutterkühe mit Kälbern: In der Mutterkuhhaltung bleiben die Kälber den Sommer über bei ihren Müttern auf der Weide. Die Kühe haben einen starken Schutzinstinkt. Wenn sie ihr Kalb bedroht sehen, verteidigen sie es, und eine Kuh wiegt oft mehr als 600 Kilogramm.
Hunde: Für Kühe sieht ein Hund aus wie ein Raubtier, ein Wolf oder Fuchs, der ihren Kälbern gefährlich werden kann. Viele schwere Zwischenfälle passieren, wenn Menschen mit Hunden durch eine Herde gehen. Die Kühe richten ihre Abwehr gegen den Hund und dabei auch gegen den Menschen, der ihn an der Leine hält.
Hinzu kommen Situationen, in denen Tiere erschreckt werden: Menschen, die plötzlich auftauchen, rennen, schreien, mit Stöcken fuchteln oder Kälber anfassen wollen.
Körpersprache: so erkennst du Warnzeichen
| Verhalten | Bedeutung |
|---|---|
| Grasen, liegen, kauen, gelegentlich schauen | entspannt, kein Problem |
| Kopf heben, Ohren nach vorn, Blick fest auf dich | aufmerksam, Abstand halten |
| Kühe rücken zusammen, Kälber werden in die Mitte genommen | Herde fühlt sich gestört |
| Kopf gesenkt, Scharren mit den Hufen, Schnauben | Drohung, sofort ruhig zurückziehen |
| Lautes Brüllen, schnelles Herankommen, mehrere Tiere folgen | Angriffsbereitschaft |
Regeln für jede Weide
- Abstand halten: Wenn der Weg an der Herde vorbeiführt, gehe ruhig und zügig weiter. Wenn möglich, umgehe die Herde in großem Bogen.
- Nicht zwischen Kuh und Kalb: Liegt ein Kalb auf einer Seite des Weges und die Mutter auf der anderen, warte oder umgehe beide weit.
- Ruhig bleiben: Nicht rennen, nicht schreien, keine hastigen Bewegungen. Sprich ruhig, damit die Tiere dich wahrnehmen.
- Nicht anfassen, nicht füttern: Kälber sehen niedlich aus, aber wer sie streichelt, provoziert die Mutter.
- Weidetore schließen: Jedes Tor, das du öffnest, schließt du wieder. Entlaufene Tiere sind eine Gefahr für sich und andere.
- Elektrozäune nicht anfassen: Nutze Tore, Überstiege oder die vorgesehenen Durchgänge.
- Warnschilder beachten: Viele Almbetriebe weisen auf Mutterkühe hin. Nimm diese Hinweise ernst.
Mit Hund über die Weide
- Führe deinen Hund an der kurzen Leine und dicht an deiner Seite.
- Halte besonders viel Abstand zu Herden mit Kälbern.
- Wenn die Kühe aufmerksam werden und näherkommen: Gehe ruhig weiter, ohne zu rennen, und verlasse die Weide auf dem kürzesten Weg.
- Wenn die Herde angreift: Lass die Leine los. Dein Hund ist schneller als jede Kuh und kann sich in Sicherheit bringen. Die Kühe folgen meist dem Hund, und du bist aus der Gefahrenzone. Wer den Hund festhält, gerät in die Mitte.
- Plane Touren mit Hund so, dass sie nicht stundenlang über Weiden mit Mutterkühen führen.
Mehr zu Leinenregeln und Rücksicht unterwegs steht in Wandern mit Hund.
Mit Kindern über die Weide
Kinder lieben Kühe, und Kühe sind neugierig. Diese Kombination braucht Aufsicht:
- Erkläre vorher, dass Kühe keine Kuscheltiere sind und dass man auf der Weide nicht rennt, schreit oder Kälber anfasst.
- Nimm kleine Kinder an die Hand oder auf den Arm, wenn ihr an einer Herde vorbeigeht.
- Größere Kinder gehen zwischen den Erwachsenen, nicht vorneweg.
- Bleib ruhig. Kinder spüren die Unsicherheit der Erwachsenen.
Wie du Touren für Kinder generell planst, beschreiben Wandern mit Kleinkindern und Wandern mit Schulkindern.
Wenn eine Kuh dich bedrängt
- Bleib ruhig und wende dich der Kuh zu, ohne sie direkt anzustarren. Drehe ihr nicht den Rücken zu.
- Gehe langsam rückwärts oder seitwärts aus der Weide, Richtung Zaun oder Tor.
- Versuche, ein Hindernis zwischen dich und die Tiere zu bringen: einen Zaun, einen großen Stein, einen Baum.
- Als letzte Abwehr, wenn eine Kuh dich tatsächlich angreift, empfehlen alpine Organisationen einen gezielten Schlag mit dem Wanderstock auf die Nase des Tieres. Das ist eine Notlösung, keine Taktik.
Nach einem Zwischenfall mit Verletzungen setzt du den Notruf ab, wie in Notfall am Berg beschrieben, und informierst den Almbetrieb.
Schafherden mit Herdenschutzhunden
Seit der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt ist, schützen viele Schäfer ihre Herden mit großen Herdenschutzhunden. Diese Hunde leben bei den Schafen und verteidigen sie gegen alles, was sie als Bedrohung sehen. Sie sind keine Hütehunde, die von einem Menschen gelenkt werden, sondern arbeiten selbstständig.
So verhältst du dich richtig:
- Nähere dich der Herde nicht, sondern gehe in großem Bogen außen herum, wenn möglich.
- Wenn die Hunde bellend auf dich zukommen: Bleib stehen, verhalte dich ruhig, sprich ruhig, schau die Hunde nicht direkt an.
- Lass die Hunde schnüffeln. Sie wollen prüfen, ob du eine Gefahr bist. Danach ziehen sie sich meist zurück.
- Gehe dann langsam weiter, ohne zu rennen und ohne Stöcke zu schwingen.
- Mit eigenem Hund: kurz anleinen und besonders weiten Abstand halten. Wenn möglich, die Weide ganz meiden.
- Radfahrer steigen ab und schieben.
Vor der Tour informieren
Viele Almregionen veröffentlichen Hinweise, auf welchen Weiden im Sommer Mutterkühe stehen, und markieren solche Abschnitte mit Schildern. Frage bei der Tourist-Information oder auf der Hütte nach, wenn du mit Hund unterwegs bist, und plane im Zweifel eine Route, die große Weiden umgeht. Wanderwege ohne Weidegang gibt es in fast jeder Region.
Häufige Fragen
Sind Bullen gefährlicher als Kühe?
Bullen können gefährlich sein, sind auf Wanderwegen aber selten frei unterwegs. Statistisch gehen die meisten Zwischenfälle von Mutterkühen aus, oft in Verbindung mit Hunden.
Darf ich eine Weide überhaupt betreten?
Auf markierten Wanderwegen ja. Abseits der Wege solltest du Weiden nicht betreten, auch weil das Gras Futter für die Tiere ist.
Was ist, wenn die Herde auf dem Weg liegt?
Warte ein paar Minuten, oft ziehen die Tiere weiter. Ansonsten umgehe die Herde mit großem Abstand und kehre danach auf den Weg zurück, ohne Pflanzen und Zäune zu beschädigen.