Zecken beim Wandern: Schutz, richtiges Entfernen, FSME und Borreliose
Wo Zecken lauern, wie du dich schützt, wie du eine Zecke sicher entfernst und wann du wegen FSME oder Borreliose zum Arzt solltest.
Zecken gehören zu den Begleitern fast jeder Wanderung durch Wald und Wiesen in Deutschland. Die meisten Stiche bleiben folgenlos. Einige Zecken übertragen aber Krankheitserreger, vor allem Borrelien, die Lyme-Borreliose auslösen können, und in bestimmten Regionen das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Wer weiß, wie Zecken leben und wie man sich schützt, kann das Risiko deutlich senken, ohne sich die Freude am Draußensein verderben zu lassen.
Dieser Ratgeber erklärt, wo Zecken vorkommen, welche Schutzmaßnahmen wirklich helfen, wie du eine Zecke richtig entfernst und auf welche Anzeichen du in den Tagen und Wochen danach achten solltest. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, besonders nicht zur Frage der Impfung.
Das Wichtigste in Kürze
- Zecken sitzen in Gräsern, Farnen und Büschen, meist in Bodennähe bis etwa Kniehöhe, und werden abgestreift. Sie fallen nicht von Bäumen.
- Lange, helle Kleidung, Hosenbeine in die Socken und Mittel gegen Zecken auf der Haut senken das Risiko.
- Such dich nach jeder Tour gründlich ab, besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, Haaransatz und hinter den Ohren.
- Entferne Zecken so früh wie möglich, langsam und gerade, mit Pinzette oder Zeckenkarte. Kein Öl, kein Kleber.
- Gegen FSME gibt es eine Impfung, gegen Borreliose beim Menschen nicht. Achte nach einem Stich auf eine sich ausbreitende Rötung.
Wo und wann Zecken aktiv sind
Der in Deutschland häufigste Holzbock lebt bevorzugt in feuchten, bewachsenen Bereichen: an Waldrändern, auf Lichtungen, in hohem Gras, in Farnen und im Unterholz, aber auch in Parks und Gärten. Zecken klettern auf Halme und Blätter und warten dort, bis ein Mensch oder Tier vorbeistreift. Sie halten sich meist in Bodennähe auf. Die verbreitete Vorstellung, dass sie von Bäumen fallen, stimmt nicht.
Aktiv werden Zecken schon bei milden Temperaturen. In vielen Jahren beginnt die Saison im zeitigen Frühjahr und reicht bis in den Spätherbst; in milden Wintern können sie auch dazwischen unterwegs sein. Am meisten Stiche gibt es typischerweise zwischen Frühling und Herbst.
FSME und Borreliose im Vergleich
| FSME | Lyme-Borreliose | |
|---|---|---|
| Erreger | Virus | Bakterien (Borrelien) |
| Vorkommen in Deutschland | vor allem in ausgewiesenen Risikogebieten, überwiegend im Süden und Osten | im ganzen Land |
| Übertragung | schon kurz nach dem Stich möglich | Risiko steigt mit der Saugdauer |
| Impfung | ja, für Risikogebiete empfohlen | für Menschen nicht verfügbar |
| Behandlung | keine ursächliche Therapie; Behandlung der Beschwerden | mit Antibiotika gut behandelbar, je früher, desto besser |
Das Robert Koch-Institut veröffentlicht jedes Jahr eine aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete. Ein großer Teil davon liegt in Bayern und Baden-Württemberg, weitere Gebiete gibt es unter anderem in Hessen, Thüringen und Sachsen sowie vereinzelt in anderen Bundesländern. Die Liste wird regelmäßig erweitert. Wenn du häufig in diesen Regionen wanderst oder einen längeren Aufenthalt planst, sprich mit deiner Hausarztpraxis über die Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie für Menschen, die in Risikogebieten zeckenexponiert sind.
Vorbeugen: Kleidung und Verhalten
Der einfachste Schutz besteht darin, Zecken möglichst wenig Gelegenheit zu geben, an deine Haut zu gelangen:
- Lange Hosen und geschlossene Schuhe: Zecken krabbeln nach dem Abstreifen meist nach oben, bis sie eine geeignete Stelle finden. Stecke die Hosenbeine in die Socken; das sieht nicht elegant aus, ist aber wirksam.
- Helle Kleidung: Auf hellen Stoffen erkennst du die kleinen dunklen Zecken viel leichter.
- Auf dem Weg bleiben: Wer durch hohes Gras, Farne oder Büsche streift, erhöht das Risiko deutlich. Breite Wege in der Mitte sind sicherer als schmale, zugewachsene Pfade.
- Pausenplatz wählen: Setz dich auf eine Bank, einen Stein oder eine Sitzmatte, nicht direkt ins hohe Gras.
Mittel gegen Zecken
Abwehrmittel auf der Haut, sogenannte Repellents, können Zecken für einige Stunden fernhalten. Bewährte Wirkstoffe sind zum Beispiel Icaridin und DEET. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und lässt durch Schweiß nach, deshalb musst du sie auf langen Touren erneuern. Lies die Packungsbeilage, vor allem bei Kindern, denn nicht jedes Mittel ist für jedes Alter zugelassen.
Es gibt auch Kleidung, die mit einem Insektizid behandelt ist, oder Sprays zur Behandlung von Kleidung. Sie können eine zusätzliche Hilfe sein, besonders für Menschen, die beruflich oder sehr häufig im Wald unterwegs sind. Kein Mittel bietet vollständigen Schutz; das Absuchen nach der Tour bleibt wichtig.
Nach der Tour: gründlich absuchen
Zecken suchen sich gern warme, dünnhäutige Stellen. Such deshalb nach jeder Wanderung in Wald und Wiese deinen Körper systematisch ab, am besten bei gutem Licht und mit Hilfe einer zweiten Person für den Rücken:
- Kniekehlen und Unterschenkel
- Leisten und Intimbereich
- Bauchnabel und Hosenbund
- Achseln und Armbeugen
- Hals, Nacken, Haaransatz und hinter den Ohren
- Bei Kindern zusätzlich der ganze Kopf, denn bei ihnen sitzen Zecken häufiger dort
Junge Zecken, sogenannte Nymphen, sind winzig, kaum größer als ein Mohnkorn. Achte auf kleine dunkle Punkte, die sich nicht wegwischen lassen. Duschen nach der Tour hilft, noch nicht festgesaugte Zecken abzuspülen, und schüttel deine Kleidung aus oder wasch sie.
Eine Zecke richtig entfernen
Wenn du eine festgesaugte Zecke findest, entfernst du sie so schnell wie möglich. Je kürzer sie saugt, desto geringer ist das Risiko, dass Borrelien übertragen werden.
- Werkzeug: eine feine, spitze Pinzette, eine Zeckenkarte oder eine Zeckenzange. Notfalls geht es auch mit den Fingernägeln.
- Nah an der Haut greifen: Fass die Zecke möglichst direkt am Kopf, ganz dicht an der Haut, nicht am vollgesogenen Hinterleib.
- Langsam und gerade ziehen: Zieh die Zecke mit gleichmäßigem Zug gerade heraus. Leichtes Hin- und Herbewegen kann helfen. Ruckartiges Reißen und starkes Quetschen vermeidest du.
- Kein Öl, kein Kleber, kein Alkohol vorher: Solche Hausmittel können die Zecke reizen und sind nicht zu empfehlen.
- Desinfizieren: Desinfiziere die Stelle anschließend.
- Notieren: Schreib dir Datum und Körperstelle auf oder mach ein Foto mit Datum. Das hilft später, falls Beschwerden auftreten.
Bleibt ein kleiner Rest in der Haut, ist das meist harmlos. Er wird in der Regel vom Körper abgestoßen. Beobachte die Stelle und lass sie ärztlich ansehen, wenn sie sich entzündet.
Worauf du danach achten solltest
Eine kleine Rötung direkt nach dem Stich ist normal und verschwindet meist nach wenigen Tagen. Aufmerksam solltest du werden, wenn sich Tage bis Wochen später eine ringförmige oder flächige Rötung, die sich langsam ausbreitet, um die Einstichstelle oder an einer anderen Stelle bildet. Diese sogenannte Wanderröte ist ein typisches Zeichen einer frühen Borreliose und sollte ärztlich behandelt werden. Sie tritt aber nicht bei allen Infektionen auf.
Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen nach einem Zeckenstich können auf FSME oder eine andere Infektion hindeuten, besonders wenn du in einem Risikogebiet unterwegs warst. Auch dann gehst du zum Arzt und erwähnst den Zeckenstich.
Zecken bei Hunden
Wenn dein Hund dich auf Wanderungen begleitet, bringt er Zecken oft in großer Zahl mit, die dann auch auf Menschen übergehen können. Sprich mit deiner Tierarztpraxis über geeignete Zeckenmittel und such deinen Hund nach jeder Tour ab, vor allem an Kopf, Ohren, Hals, Achseln und zwischen den Zehen.
Häufige Fragen
Muss ich nach jedem Zeckenstich zum Arzt?
Nein. Wenn du die Zecke vollständig entfernt hast und die Stelle in den folgenden Wochen unauffällig bleibt, ist kein Arztbesuch nötig. Bei einer sich ausbreitenden Rötung oder bei Krankheitszeichen solltest du aber nicht zögern.
Sollte ich eine Zecke einschicken und untersuchen lassen?
Das wird meist nicht empfohlen. Ein Nachweis von Erregern in der Zecke bedeutet nicht, dass du dich angesteckt hast, und ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht sicher aus. Entscheidend sind die Beschwerden.
Wie lange schützt die FSME-Impfung?
Für einen vollständigen Schutz sind mehrere Impfungen nötig, danach folgen Auffrischungen in Abständen, die vom Alter und Impfstoff abhängen. Lass dich dazu in deiner Arztpraxis beraten.