Sächsische Schweiz: Die schönsten Tagestouren zwischen Bastei und Schrammsteinen
Bastei, Schwedenlöcher, Lilienstein, Pfaffenstein, Schrammsteine und Kuhstall: Tagestouren im Elbsandsteingebirge mit Tipps zu Anreise, Andrang und Nationalparkregeln.
Das Elbsandsteingebirge südöstlich von Dresden ist eines der ungewöhnlichsten Wandergebiete Deutschlands. Über Jahrmillionen hat das Wasser den Sandstein zu Tafelbergen, Felsnadeln, Schluchten und Riffen geformt. Zwischen den Felsen wachsen Kiefern und Buchen, in den engen Gründen ist es kühl und moosig, und von den Aussichtspunkten blickst du weit über das Elbtal. Ein Teil dieser Landschaft ist seit 1990 als Nationalpark Sächsische Schweiz geschützt.
Für Tagestouren ist die Region ideal: Viele Ausgangspunkte liegen an der S-Bahn-Linie im Elbtal, die Wege sind gut markiert, und schon nach wenigen Kilometern stehst du an einem Aussichtspunkt, der wie aus einem Gemälde wirkt. Das wissen allerdings auch viele andere. Dieser Ratgeber stellt die bekanntesten Touren vor und erklärt, wie du dem größten Andrang ausweichst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Ausgangspunkte erreichst du gut mit der S-Bahn von Dresden durch das Elbtal und mit den Elbfähren.
- An der Bastei ist es an Wochenenden und in den Ferien sehr voll. Früh starten lohnt sich.
- Viele Wege führen über Stufen, Leitern und Eisenstiegen. Trittsicherheit ist wichtig, Höhenangst kann zum Problem werden.
- In der Kernzone des Nationalparks darfst du nur markierte Wege benutzen.
- Nach dem großen Waldbrand 2022 waren einige Gebiete lange gesperrt. Prüfe vor der Tour die aktuellen Hinweise der Nationalparkverwaltung.
Anreise und Orientierung
Das Elbtal ist die Lebensader der Region. Die S-Bahn fährt von Dresden über Pirna und Kurort Rathen bis Bad Schandau und weiter Richtung Schöna an der tschechischen Grenze. Fähren verbinden die Bahnhöfe auf der linken Elbseite mit den Orten auf der rechten. Für viele Touren musst du deshalb nicht mit dem Auto anreisen, was angesichts der knappen und an Wochenenden schnell belegten Parkplätze ein echter Vorteil ist.
Die Wege sind mit farbigen Strichen und Punkten markiert, dazu kommen spezielle Zeichen für Fernwege wie den Malerweg. Eine gute Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 oder eine Offlinekarte ist trotzdem sinnvoll, weil sich viele Pfade verzweigen und du in den Gründen oft keinen Handyempfang hast.
Bastei und Schwedenlöcher
Die Bastei ist das bekannteste Ziel der Sächsischen Schweiz. Die Felsen ragen fast 200 Meter über die Elbe, und die steinerne Basteibrücke aus dem 19. Jahrhundert verbindet mehrere Felstürme. Der Blick auf die Elbschleife, den Lilienstein und die Tafelberge ist großartig.
Eine schöne Runde beginnt in Kurort Rathen. Du steigst über Stufen hinauf zur Bastei, gehst über die Brücke und an der Felsenburg Neurathen vorbei, für die ein kleines Eintrittsgeld erhoben wird. Anschließend führt der Weg durch die Schwedenlöcher hinunter in den Amselgrund: eine enge, wildromantische Schlucht mit vielen Treppen und Brücken. Unten erreichst du den Amselsee und kehrst nach Rathen zurück.
Rechne für diese Runde mit zwei bis drei Stunden Gehzeit. Die Schwedenlöcher sind bei Nässe rutschig und können nach Unwettern gesperrt sein. Und die Bastei solltest du entweder sehr früh am Morgen oder am späten Nachmittag besuchen, wenn die Busgruppen weg sind.
Lilienstein
Der Lilienstein ist der markanteste Tafelberg der Sächsischen Schweiz und der einzige rechtselbische. Von Kurort Rathen setzt du mit der Fähre über und folgst dann dem Weg durch Wald und Wiesen zum Fuß des Felsens. Der Aufstieg erfolgt über Treppen, Stufen und kurze Eisenleitern. Oben erwarten dich ein Plateau mit mehreren Aussichtspunkten, ein Obelisk und eine Gaststätte.
Der Lilienstein ist eine gute Wahl, wenn du eine kompakte Tour mit großem Panorama suchst. Rechne mit etwa drei bis vier Stunden für Hin- und Rückweg ab Rathen, je nach gewählter Variante.
Pfaffenstein und Barbarine
Auf der linken Elbseite liegt der Pfaffenstein, ein Tafelberg mit einem eigenen kleinen Labyrinth aus Felsengassen. Bekannt ist er vor allem für die Barbarine, eine schlanke, frei stehende Felsnadel am Rand des Plateaus, die zu den Wahrzeichen der Region gehört. Der Aufstieg ist auf mehreren Wegen möglich, einer davon führt durch das sogenannte Nadelöhr, eine enge Felsspalte mit Leitern, durch die du dich mit größerem Rucksack hindurchzwängen musst.
Der Pfaffenstein ist mit Kindern ab dem Grundschulalter gut machbar und deutlich weniger überlaufen als die Bastei. Ausgangspunkt ist meist der Ort Pfaffendorf.
Schrammsteine
Die Schrammsteine bei Bad Schandau sind eine lange, zerklüftete Felsenkette mit Türmen, Graten und Schluchten. Die bekannteste Tour führt von Postelwitz oder Bad Schandau zur Schrammsteinaussicht, die über Eisenstiegen, Leitern und Stufen erreicht wird. Von dort aus geht es auf dem Gratweg weiter, mit spektakulären Ausblicken auf die Felsenwelt und ins Elbtal.
Dieser Weg ist nichts für Menschen mit ausgeprägter Höhenangst. Einige Stiegen sind steil und ausgesetzt, gesichert durch Geländer und Griffe. Bei Nässe oder Vereisung wird es gefährlich. Mit Trittsicherheit und gutem Schuhwerk ist die Runde aber für geübte Wandernde sehr gut machbar. Plane einen halben bis ganzen Tag ein.
Kuhstall und Himmelsleiter
Im hinteren Teil der Sächsischen Schweiz, im Kirnitzschtal, liegt der Kuhstall: ein großes Felsentor auf dem Neuen Wildenstein, durch das du hindurchgehen kannst. Der Name stammt der Überlieferung nach daher, dass Bauern hier in Kriegszeiten ihr Vieh versteckt haben sollen. Neben dem Tor führt die schmale Himmelsleiter, eine steile Holztreppe durch eine Felsspalte, auf den Gipfel hinauf.
Ausgangspunkt ist meist der Lichtenhainer Wasserfall, den du mit der historischen Kirnitzschtalbahn von Bad Schandau aus erreichst. Die Tour lässt sich gut mit den umliegenden Aussichtspunkten zu einer längeren Runde verbinden.
Die Touren im Überblick
| Tour | Ausgangspunkt | Charakter | Für wen |
|---|---|---|---|
| Bastei und Schwedenlöcher | Kurort Rathen | Stufen, Brücken, Schlucht | fast alle, früh starten |
| Lilienstein | Rathen (Fähre) | Tafelberg, Treppen, Leitern | Familien, Panoramafreunde |
| Pfaffenstein | Pfaffendorf | Felsengassen, Nadelöhr | Familien mit Schulkindern |
| Schrammsteine | Bad Schandau, Postelwitz | Stiegen, Gratweg, ausgesetzt | trittsichere, schwindelfreie Wandernde |
| Kuhstall | Lichtenhainer Wasserfall | Felsentor, Himmelsleiter | Familien, Abenteuerlustige |
Regeln im Nationalpark
Ein großer Teil der Felsenwelt liegt im Nationalpark. In der Kernzone darfst du nur markierte Wege und ausgewiesene Bergpfade benutzen. Feuer machen ist verboten, ebenso das Verlassen der Wege, um Abkürzungen zu nehmen. Hunde müssen im Nationalpark an der Leine geführt werden.
Eine Besonderheit ist das Übernachten in sogenannten Boofen, also unter Felsüberhängen. Diese Tradition ist eng mit dem Klettersport in der Sächsischen Schweiz verbunden und nur an bestimmten, ausgewiesenen Stellen und unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Informiere dich vor einer solchen Übernachtung unbedingt bei der Nationalparkverwaltung über die aktuellen Regeln. Offenes Feuer ist dabei tabu.
Nach dem Waldbrand 2022
Im Sommer 2022 brannte es auf beiden Seiten der Grenze in der Böhmischen und Sächsischen Schweiz. Auf deutscher Seite waren vor allem Gebiete in der hinteren Sächsischen Schweiz betroffen. In der Folge wurden zahlreiche Wege gesperrt, teils wegen Schäden, teils wegen umsturzgefährdeter Bäume. Einige Sperrungen wurden inzwischen aufgehoben, andere Wege wurden verlegt. Weil sich die Lage ändert, solltest du dich vor jeder Tour auf den Seiten der Nationalparkverwaltung informieren.
Tipps gegen den Andrang
Die Sächsische Schweiz ist an schönen Wochenenden sehr gut besucht. Mit ein paar einfachen Regeln findest du trotzdem ruhige Wege: Starte früh, idealerweise mit einer der ersten S-Bahnen. Besuche die bekannten Aussichtspunkte am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Weiche auf die linkselbischen Tafelberge aus, die oft deutlich ruhiger sind als die Bastei. Und plane an Feiertagen lieber eine Tour abseits der großen Namen, etwa durch einen der vielen stillen Gründe.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit für die Sächsische Schweiz?
Frühling und Herbst sind besonders schön und weniger heiß. Im Sommer lohnt es sich, früh zu starten und für die Mittagszeit schattige Gründe einzuplanen. Im Winter können Stufen und Stiegen vereist und damit gefährlich sein.
Ist die Sächsische Schweiz für Kinder geeignet?
Ja, viele Touren sind für Kinder ein Abenteuer. Leitern, Felsengassen und Höhlen begeistern fast jedes Kind. Achte bei kleinen Kindern auf ungesicherte Felskanten an Aussichtspunkten und halte sie dort an der Hand.
Brauche ich Klettererfahrung?
Nein. Die beschriebenen Wanderwege sind mit Leitern, Stufen und Geländern gesichert. Klettern an den Felsen selbst ist dagegen streng geregelt und nur mit Erfahrung und nach den sächsischen Kletterregeln erlaubt.