Wandern im Berchtesgadener Land: Königssee, Jenner, Wimbachklamm und Watzmann
Tagestouren im Nationalpark Berchtesgaden: vom Malerwinkel und Obersee bis zur Wimbachklamm, zum Jenner und zum Watzmannhaus, mit Schwierigkeit, Schiffsverbindung und Regeln im Nationalpark.
Im äußersten Südosten Deutschlands liegt eine Berglandschaft, die selbst erfahrene Alpenwanderer staunen lässt. Der Königssee schmiegt sich wie ein Fjord zwischen fast senkrechte Felswände, darüber thront der Watzmann mit seiner berühmten Ostwand, und ringsum erheben sich Hochkalter, Steinernes Meer und Hoher Göll. Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands. Für Wanderer bietet er Touren für jeden Anspruch, von der ebenen Uferrunde bis zur anstrengenden Hüttenwanderung. Hier stellen wir die Klassiker vor und erklären, wie du sie gut planst.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands. Es gelten besondere Regeln: auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, keine Drohnen.
- Zu den Ufern des Königssees kommst du nur zu Fuß oder mit den Elektrobooten. Plane die Rückfahrt und die letzte Abfahrt ein.
- Leichte Touren: Malerwinkel, Obersee mit Fischunkelalm, Wimbachklamm.
- Anspruchsvoller: Jenner mit Abstieg, Watzmannhaus. Der Watzmann-Hocheck und die Überschreitung sind alpine Touren für Erfahrene.
- Im Hochsommer sind die Talorte und Boote sehr voll. Früh starten lohnt sich doppelt.
Leichte Touren
Malerwinkel am Königssee
Vom Ortsteil Königssee führt ein kurzer, gut ausgebauter Weg zum Malerwinkel, einem Aussichtspunkt mit dem berühmten Blick über den See auf die Kirche St. Bartholomä und die Watzmann-Ostwand. Für den Hin- und Rückweg reicht eine knappe Stunde. Wer mehr möchte, verlängert über den Rabenwand-Weg zu einem weiteren Aussichtspunkt. Ideal als Einstieg am Ankunftstag oder für Familien.
Obersee und Fischunkelalm
Mit dem Boot fährst du bis zur Anlegestelle Salet am Südende des Königssees. Von dort führt ein kurzer Weg zum Obersee, einem kleineren, stilleren See, der von hohen Wänden umrahmt wird. Ein schmaler Uferpfad führt weiter zur Fischunkelalm, einer einfachen Alm mit Einkehr, und bei genug Wasser siehst du den Röthbachfall über die Felswand stürzen. Der Weg ist leicht, aber am Ufer wurzelig und bei Nässe rutschig. Plane die Rückfahrt mit dem Boot ein, denn im Sommer bilden sich an der Anlegestelle Schlangen.
Wimbachklamm und Wimbachtal
Die Wimbachklamm bei Ramsau ist eine kurze, aber eindrucksvolle Schlucht, durch die Holzstege und Treppen führen. Das Wasser tost unter dir und sprüht feinen Nebel. Hinter der Klamm öffnet sich das Wimbachtal, ein breites Schuttstromtal zwischen Watzmann und Hochkalter. Ein breiter Weg führt sanft ansteigend zum Wimbachschloss mit Einkehr. Mehr über Klammen und ihren Eintritt liest du in Klammen in Bayern.
Mittelschwere Touren
Jenner
Der Jenner ist der Hausberg über dem Königssee. Mit der Jennerbahn kommst du bequem bis kurz unter den Gipfel und erreichst über einen kurzen, gesicherten Steig die Aussichtsplattform. Von oben überblickst du den Königssee, den Watzmann und bei klarer Sicht weit nach Salzburg. Wer zu Fuß absteigt, geht über Almen wie die Königsbergalm zurück ins Tal. Der Abstieg ist lang und belastet die Knie, Stöcke helfen, wie in Wanderstöcke richtig nutzen beschrieben.
Watzmannhaus
Das Watzmannhaus liegt auf rund 1.930 Metern am Hocheck-Grat des Watzmanns. Der Aufstieg von der Wimbachbrücke führt an mehreren Almen vorbei, zuletzt an der Falzalm, und überwindet auf einem langen, stetig steilen Weg viele Höhenmeter bis zur Hütte. Der Weg ist ein gut angelegter Bergweg, aber lang und anstrengend. Die Belohnung ist ein großartiger Blick über das Berchtesgadener Land. Viele übernachten auf der Hütte und kehren am nächsten Tag zurück. Wie das funktioniert, erklärt Übernachten auf der Hütte.
Für erfahrene Bergsteiger
Vom Watzmannhaus führt ein Steig zum Hocheck, dem ersten der Watzmann-Gipfel. Die Überschreitung über Mittelspitze zur Südspitze ist eine lange, ausgesetzte Tour mit Seilversicherungen und einem sehr langen Abstieg. Sie ist nur für erfahrene, schwindelfreie und konditionsstarke Bergsteiger bei stabilem Wetter geeignet. Die Ostwand ist eine Kletterroute und für Wanderer keine Option. Auf dem Grat und in der Wand passieren jedes Jahr schwere Unfälle, oft durch Selbstüberschätzung oder Wetterumschwünge.
Übersicht
| Tour | Anspruch | Dauer (grob) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Malerwinkel | leicht | 1 Stunde | ideal am Anreisetag |
| Obersee und Fischunkelalm | leicht | 2 bis 3 Stunden plus Bootsfahrt | Rückfahrt einplanen |
| Wimbachklamm und Wimbachschloss | leicht bis mittel | 3 bis 4 Stunden | Eintritt in die Klamm |
| Jenner mit Abstieg | mittel | Abstieg 3 bis 4 Stunden | Bergbahn im Aufstieg |
| Watzmannhaus | mittel bis schwer | Aufstieg 4 bis 5 Stunden | viele Höhenmeter |
| Watzmann-Überschreitung | sehr schwer | mehr als 12 Stunden | nur für Erfahrene |
Die Zeiten sind Richtwerte ohne Pausen. Berechne deine eigene Gehzeit mit unserer Faustformel und prüfe vor der Tour aktuelle Informationen zu Wegzuständen.
Unterwegs im Nationalpark
Der Nationalpark schützt eine Hochgebirgslandschaft mit seltenen Pflanzen und Tieren. Damit sie erhalten bleibt, gelten einige Regeln:
- Bleibe auf den markierten Wegen.
- Hunde sind an der Leine zu führen.
- Zelten und Übernachten im Freien sind verboten.
- Drohnen dürfen nicht aufsteigen.
- Pflanzen bleiben, wo sie sind, auch das Edelweiß.
- Abfall nimmst du wieder mit ins Tal.
Informationen zu Wegen, Sperrungen und Führungen bekommst du im Nationalparkzentrum in Berchtesgaden, das auch bei Regen einen Besuch lohnt.
Planung und Anreise
Berchtesgaden ist mit der Bahn erreichbar, von dort fahren Busse nach Königssee, Ramsau und zu den Talstationen. In den Sommerferien sind die Parkplätze am Königssee früh belegt. Für die Boote auf dem Königssee gilt: Die erste Fahrt ist die ruhigste, und die letzte Rückfahrt solltest du nicht verpassen. Prüfe die Fahrzeiten der Saison vorher.
Mit Kindern im Berchtesgadener Land
Familien finden hier viele Ziele, die auch kleine Beine schaffen. Der Weg zum Malerwinkel ist kurz und eben. Die Bootsfahrt über den Königssee ist für Kinder schon ein Erlebnis, und auf der Fahrt wird an der Echowand traditionell ein Trompetensignal gespielt, das von den Felswänden zurückhallt. Am Obersee können Kinder am Ufer spielen, solange sie nicht ins kalte, tiefe Wasser gehen. Die Wimbachklamm begeistert mit Stegen und Wasserrauschen. Für längere Wege mit Kindern helfen die Tipps aus Wandern mit Schulkindern.
Wenn es regnet
Bei Dauerregen sind Klammwege und Uferpfade rutschig und die Gipfel in Wolken. Dann lohnen sich das Haus der Berge, das Informationszentrum des Nationalparks in Berchtesgaden, ein Ausflug ins Salzbergwerk oder ein Spaziergang durch den Markt Berchtesgaden. Kurze Talwanderungen, etwa entlang der Ramsauer Ache, sind auch bei leichtem Regen schön. Verzichte bei Gewitterwarnung auf alle Touren in die Höhe und lies unseren Ratgeber über Gewitter beim Wandern.
Was in den Rucksack gehört
Für die leichten Touren am See reichen bequeme Wanderschuhe, Regenjacke, Wasser und ein Snack. Für Jenner, Watzmannhaus und alles darüber brauchst du Bergschuhe, Kleidung für Wind und Kälte, Sonnenschutz, ausreichend Wasser und ein Erste-Hilfe-Set. Mehr dazu in Erste-Hilfe-Set fürs Wandern.
Häufige Fragen
Kann man um den Königssee herumwandern?
Nein. Die Ufer bestehen zum großen Teil aus steilen Felswänden. Wanderwege gibt es nur an einzelnen Abschnitten, etwa um St. Bartholomä und vom Salet zum Obersee. Das Boot ist deshalb Teil fast jeder Tour.
Ist St. Bartholomä einen Besuch wert?
Ja. Die Wallfahrtskirche mit den roten Zwiebeltürmen liegt auf einer Halbinsel vor der Watzmann-Ostwand. Ein kurzer Weg führt zur Eiskapelle, einem Schneefeld am Fuß der Wand. Das Betreten der Eishöhlen und des Schneefelds ist wegen Einsturzgefahr lebensgefährlich.
Wann ist die beste Reisezeit?
Juni und September. Im Juni blühen die Almen, im September ist es ruhiger, die Sicht ist oft klar und die Hütten sind noch geöffnet.