Wandern im Allgäu: Tagestouren von der Nagelfluhkette bis zu den Gaisalpseen
Die schönsten Tagestouren im Allgäu für verschiedene Ansprüche: Nagelfluhkette, Grünten, Gaisalpseen bei Oberstdorf, Tegelberg, mit Hinweisen zu Bergbahnen, Alpen, Viehscheid und Sicherheit.
Das Allgäu ist für viele der Inbegriff von Wandern in Deutschland: grüne Hänge, auf denen Kühe mit Glocken grasen, Alpen mit Kässpatzen und Buttermilch, klare Bergseen und dahinter die Felsgipfel der Allgäuer Alpen. Die Region reicht von sanften Hügeln im Vorland bis zu schroffen Zweitausendern an der österreichischen Grenze. Entsprechend groß ist die Auswahl, von der gemütlichen Almwanderung mit Kindern bis zur ausgesetzten Gratüberschreitung. Wir stellen Touren vor, die das Allgäu in seiner ganzen Bandbreite zeigen, und erklären, worauf du achten musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wandersaison im Hochgebirge reicht meist von Juni bis Oktober. Im Frühsommer kann in schattigen Rinnen noch Altschnee liegen.
- Viele Touren lassen sich mit Bergbahnen verkürzen. Prüfe Betriebszeiten und Revisionspausen im Frühjahr und Herbst.
- Gratwege wie die Nagelfluhkette verlangen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Bei Nässe sind sie rutschig.
- Auf den Weiden stehen im Sommer Kühe. Halte Abstand, besonders mit Hund, wie in Kühe auf der Weide beschrieben.
- Sommergewitter entstehen oft am frühen Nachmittag. Starte früh und sei mittags auf dem Rückweg.
Für Einsteiger und Familien
Gaisalpseen bei Oberstdorf
Von Oberstdorf oder Reichenbach führt ein Bergweg zur bewirtschafteten Gaisalpe und weiter zum Unteren Gaisalpsee, einem klaren Bergsee unter den Felswänden von Rubihorn und Entschenkopf. Der Weg ist gut ausgebaut, aber stetig ansteigend. Für Familien mit trittsicheren Kindern ist die Strecke bis zur Alpe ein schönes Ziel, der Aufstieg zum See ist steiler und steiniger. Wer mag, steigt weiter zum Oberen Gaisalpsee auf. Rechne für die Runde mit einem halben bis ganzen Tag.
Rund um Oberstdorf im Tal
Für Ruhetage oder unsichere Wetterlagen eignen sich die Talwege rund um Oberstdorf: zum Christlessee mit seinem türkisgrünen Wasser, über die Lorettowiesen oder hinein ins Trettachtal. Diese Wege sind nahezu eben und auch mit Kinderwagen gut machbar. Mit kleinen Kindern helfen die Tipps aus Wandern mit Kleinkindern.
Für Geübte
Grünten: der „Wächter des Allgäus“
Der Grünten ragt als vorgeschobener Gipfel weit ins Allgäuer Vorland hinaus. Deshalb ist der Ausblick vom Gipfel mit dem markanten Sendeturm besonders weit: über das hügelige Voralpenland, die Seen und die Kette der Allgäuer Alpen. Von Rettenberg oder Burgberg führen Bergwege hinauf, je nach Ausgangspunkt mit rund 900 bis 1.000 Höhenmetern. Unterwegs liegen bewirtschaftete Hütten. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz verlangen etwas Trittsicherheit.
Tegelberg über Schwangau
Am Tegelberg wanderst du hoch über den Königsschlössern. Von der Bergstation der Tegelbergbahn oder zu Fuß aus dem Tal erreichst du Aussichtspunkte mit Blick auf Schloss Neuschwanstein, den Forggensee und das Alpenvorland. Ein beliebter Abstieg führt über Bergwege zurück ins Tal. Einige Wege am Tegelberg sind steil und felsig. Informiere dich vor Ort über den Zustand, denn nach Unwettern werden Abschnitte gelegentlich gesperrt.
Für Trittsichere und Schwindelfreie
Gratwanderung auf der Nagelfluhkette
Die Nagelfluhkette ist ein langer Bergkamm zwischen Immenstadt und Oberstaufen, benannt nach ihrem Gestein: Nagelfluh ist ein natürlicher Beton aus Kieseln und Sand. Der Gratweg verbindet mehrere Gipfel, darunter Mittag, Steineberg, Stuiben, Buralpkopf, Rindalphorn und Hochgrat. Mit der Mittagbahn bei Immenstadt und der Hochgratbahn bei Oberstaufen lässt sich die Überschreitung als Streckentour gestalten.
Die Tour ist lang und anspruchsvoll. Am Steineberg führt eine steile Eisenleiter über eine Felsstufe, und an mehreren Stellen geht es über schmale Pfade mit steilen Grasflanken. Bei Nässe ist das Gestein rutschig, und die Grasflanken werden gefährlich. Gehe den Grat nur bei stabilem, trockenem Wetter und plane ausreichend Zeit ein. Was die Farben der Wegweiser über die Schwierigkeit verraten, erklärt Bergwege: blau, rot, schwarz.
Übersicht
| Tour | Anspruch | Besonderheit |
|---|---|---|
| Talwege Oberstdorf | leicht | Christlessee, Trettachtal, kinderwagentauglich |
| Gaisalpe und Gaisalpseen | mittel | Bergsee, Einkehr in der Alpe |
| Grünten | mittel | weiter Blick ins Vorland, Hütten |
| Tegelberg | mittel | Blick auf Neuschwanstein, Bergbahn |
| Nagelfluhkette | schwer | lange Gratüberschreitung, Leiter, Trittsicherheit |
Die Angaben sind grobe Einordnungen. Prüfe vor jeder Tour die aktuelle Beschreibung, die Wegzustände und das Wetter. Wie du die Gehzeit realistisch berechnest, steht in Gehzeit berechnen.
Alpen, Einkehr und Viehscheid
Im Allgäu heißen die bewirtschafteten Almen Alpen. Viele bieten im Sommer einfache Gerichte, Brotzeiten mit eigenem Käse, Buttermilch und Kuchen an. Sie sind keine Restaurants: Die Älpler versorgen Vieh, Käserei und Gäste gleichzeitig. Hab Geduld, nimm Bargeld mit und frag nach den Öffnungszeiten. Viele Alpen schließen nach dem Viehscheid.
Der Viehscheid im September ist ein Höhepunkt des Allgäuer Jahres. Die Herden kehren geschmückt von den Sommerweiden ins Tal zurück und werden ihren Besitzern zugeteilt. In vielen Orten wird das mit Festen gefeiert. Wer an diesen Tagen wandert, sollte auf Wegen mit Viehtrieb Rücksicht nehmen und Platz machen.
Sicherheit im Allgäu
- Gewitter: Im Sommer bilden sich über den Bergen häufig Wärmegewitter. Starte früh, beobachte die Wolken und lies unseren Ratgeber über Gewitter beim Wandern.
- Ausgesetzte Wege: Viele Unfälle im Allgäu passieren durch Ausrutschen auf steilem Gras. Wanderschuhe mit gutem Profil und Konzentration im Abstieg sind entscheidend.
- Altschnee: Im Juni können in Nordhängen steile Schneefelder liegen. Ohne Ausrüstung und Erfahrung umkehren.
- Notruf: Der Euro-Notruf 112 funktioniert auch über ausländische Netze. Was im Ernstfall zu tun ist, steht in Notfall am Berg.
Anreise
Oberstdorf, Immenstadt, Sonthofen und Oberstaufen haben Bahnanschluss, von dort fahren Busse in die Täler. In der Hauptsaison sind die Parkplätze an beliebten Ausgangspunkten früh voll. Mit Bus und Bahn reist du entspannter an und kannst Streckentouren machen. Tipps dazu in Wandern ohne Auto.
Packliste für eine Allgäuer Bergtour
Auch wenn die Sonne über dem Tal scheint, kann es auf 1.800 Metern windig und kühl sein. Für eine Tagestour im Allgäuer Hochgebirge gehören in den Rucksack:
- Bergschuhe mit fester, griffiger Sohle, keine Turnschuhe, weil steile Grashänge rutschig sind
- Regenjacke und eine warme Zwischenschicht nach dem Zwiebelprinzip
- Sonnenschutz: Hut, Brille, Sonnencreme, denn mit der Höhe nimmt die UV-Strahlung deutlich zu
- mindestens 1,5 Liter Wasser, im Hochsommer mehr
- Proviant, auch wenn eine Alpe auf dem Weg liegt, denn Öffnungszeiten ändern sich
- Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke und ein geladenes Handy
- Wanderstöcke für lange Abstiege
Mit der Bergbahn: Zeit sparen, Knie schonen
Viele Allgäuer Gipfel lassen sich mit einer Bergbahn verkürzen: Nebelhorn und Fellhorn bei Oberstdorf, Hochgrat bei Oberstaufen, Mittag bei Immenstadt oder Tegelberg bei Schwangau. Eine Bahn bringt dich schnell in die Höhe, aber sie macht den Weg nicht leichter. Wer oben aussteigt, steht sofort im alpinen Gelände, ohne sich im Aufstieg aufgewärmt zu haben. Gönne dir ein paar Minuten zum Ankommen und prüfe die letzte Talfahrt, bevor du losgehst. Wer bergab läuft, schont seine Knie mit Stöcken und einem gleichmäßigen, kurzen Schritt. Viele entscheiden sich bewusst für die Bahn im Abstieg: Der Aufstieg zu Fuß ist für die Gelenke weniger belastend als ein langer Abstieg.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit zum Wandern im Allgäu?
Für Gipfeltouren Juli bis Anfang Oktober, wenn der Schnee geschmolzen ist. Im September ist die Sicht oft besonders klar und die Wege sind ruhiger als in den Sommerferien.
Kann ich mit Kindern auf die Nagelfluhkette?
Die komplette Gratüberschreitung ist für Kinder nicht geeignet. Mit trittsicheren Schulkindern bieten sich kurze Abschnitte von den Bergbahnen aus an, etwa zum nächstgelegenen Gipfel und zurück.
Brauche ich eine Hüttenreservierung für Tagestouren?
Nein, nur für Übernachtungen. Für einen Mittagstisch in beliebten Alpen kann an Wochenenden aber Geduld nötig sein.