Wandern ohne Auto: Streckenwanderungen mit Bus und Bahn planen
So planst du Wanderungen mit Bus und Bahn: Streckentouren, Fahrplan und letzte Verbindung, Deutschlandticket, Gästekarten, Rufbusse und ein Plan B für Ausfälle.
Wer mit dem Auto zum Wandern fährt, ist an den Parkplatz gebunden und muss am Ende immer dorthin zurück. Mit Bus und Bahn öffnet sich eine ganz andere Art des Wanderns: die Streckenwanderung. Du startest an einem Bahnhof, läufst über einen Höhenzug, durch ein Tal oder einen ganzen Abschnitt eines Fernwanderwegs und steigst am Ende an einem anderen Bahnhof wieder ein. Dazu kommen entspannte Rückfahrten ohne Müdigkeit am Steuer, keine Suche nach Parkplätzen an überfüllten Wanderparkplätzen und ein kleinerer ökologischer Fußabdruck. In Deutschland ist das in vielen Regionen gut möglich, braucht aber etwas Planung.
Das Wichtigste in Kürze
- Streckenwanderungen von Bahnhof zu Bahnhof sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfacher als Rundtouren mit dem Auto.
- Plane die Tour von hinten: Erst die letzte sichere Rückverbindung prüfen, dann den Startzeitpunkt festlegen.
- Am Wochenende und in ländlichen Gegenden fahren Busse oft selten. Rufbusse müssen vorab bestellt werden.
- Viele Ferienregionen bieten Gästekarten, mit denen Bus und Bahn in der Region kostenlos sind.
- Prüfe vor der Fahrt Baustellen und Ersatzverkehr, und halte immer einen Plan B bereit.
Warum Streckenwanderungen so reizvoll sind
Bei einer Rundtour musst du immer wieder zum Auto zurück. Das schränkt die Wahl der Wege ein. Mit Bus und Bahn kannst du dagegen:
- lange Fernwege in Etappen gehen, etwa den Rheinsteig oder den Rennsteig, deren Etappenorte fast alle Bahnanschluss haben,
- flexibel abbrechen, wenn das Wetter umschlägt oder die Kräfte nachlassen,
- von einem Tal ins nächste wandern, ohne denselben Weg zurückgehen zu müssen,
- nach der Tour einkehren, auch mit einem Glas Wein oder Bier, ohne ans Fahren zu denken.
Die Planung von hinten
Der wichtigste Grundsatz lautet: Plane vom Ende her.
- Ziel festlegen: An welcher Haltestelle oder welchem Bahnhof soll die Tour enden?
- Letzte Verbindung prüfen: Wann fährt die letzte Bahn oder der letzte Bus von dort zurück? Wähle als Ziel nicht diese letzte, sondern die vorletzte Verbindung. So hast du einen Puffer.
- Gehzeit berechnen: Rechne die reine Gehzeit mit Höhenmetern aus, wie in Gehzeit berechnen beschrieben, und plane Pausen dazu.
- Startzeit ableiten: Ziehe Gehzeit, Pausen und Puffer von der Rückfahrt ab. So weißt du, wann du spätestens am Start sein musst.
- Hinfahrt wählen: Suche eine Verbindung, mit der du rechtzeitig oder früher am Startpunkt ankommst.
Notiere dir auch Zwischenhaltestellen entlang der Route, an denen du die Tour abkürzen kannst.
Fahrpläne richtig lesen
- Wochenende und Feiertage: In ländlichen Regionen fahren Busse am Samstag seltener und am Sonntag manchmal gar nicht. Gerade für Wanderer ist das die wichtigste Falle.
- Ferienfahrpläne: Schulbusse fallen in den Ferien weg. Manche Linien fahren dann deutlich seltener.
- Saisonale Wanderbusse: In vielen Wander- und Bergregionen fahren im Sommer zusätzliche Busse zu Ausgangspunkten, die sonst nicht angebunden sind.
- Rufbusse und Anruf-Sammel-Taxis: Sie fahren nach Fahrplan, aber nur nach vorheriger Bestellung, oft mindestens eine Stunde vorher. Die Telefonnummer steht im Fahrplan. Bestelle rechtzeitig und habe Empfang, wenn du bestellst.
- Baustellen und Ersatzverkehr: Prüfe am Vorabend und am Morgen, ob Züge ausfallen oder durch Busse ersetzt werden.
Die Fahrplanauskunft der Bahn kennt die meisten Busse und Bahnen in Deutschland. Regionale Verkehrsverbünde haben oft eigene Apps mit genaueren Angaben zu Rufbussen und Haltestellen.
Tickets
Deutschlandticket: Mit dem Deutschlandticket fährst du im Nahverkehr in ganz Deutschland, also mit Regionalzügen, S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen. Fernzüge wie IC und ICE sind nicht enthalten. Für Wanderer, die regelmäßig mit dem Nahverkehr unterwegs sind, ist es oft die einfachste Lösung. Die genauen Bedingungen und den aktuellen Preis findest du bei den Verkehrsunternehmen.
Länder- und Gruppentickets: Für Gruppen ohne Deutschlandticket gibt es in vielen Bundesländern Tagestickets für mehrere Personen.
Gästekarten: Viele Ferienregionen geben Übernachtungsgästen eine Gästekarte, mit der Busse und Bahnen in der Region kostenlos sind. Beispiele sind die KONUS-Gästekarte im Schwarzwald und die GUTi-Karte im Bayerischen Wald. Frage bei der Buchung deiner Unterkunft danach. Das spart Geld und macht spontane Streckentouren einfach. Mehr zu den Regionen steht in Westweg im Schwarzwald und Bayerischer Wald.
Unterwegs: kleine Tricks
- Fotografiere den Fahrplan an der Haltestelle am Start und Ziel. Fahrplanaushänge zeigen manchmal Hinweise, die in Apps fehlen.
- Offline-Karte und Fahrplan: In Tälern ohne Netz kannst du nicht nachschauen. Lade dir die Verbindung vorher herunter.
- Akku sparen: Eine kleine Powerbank sichert Ticket, Fahrplan und Karte.
- Pünktlich an der Haltestelle: Auf dem Land wartet der Bus nicht. Sei fünf bis zehn Minuten vorher da.
- Sauber einsteigen: Matschige Schuhe vor dem Einsteigen abklopfen, Stöcke zusammenschieben und den Rucksack auf den Schoß oder in die Gepäckablage, nicht auf den Sitz.
Plan B, wenn die Verbindung platzt
Züge fallen aus, Busse fahren weg, Touren dauern länger. Für diese Fälle hilft:
- die Nummer eines Taxiunternehmens in der Region gespeichert zu haben,
- eine alternative Haltestelle zu kennen, die du zu Fuß erreichen kannst,
- genug Wasser, Proviant und eine warme Schicht im Rucksack, falls du länger warten musst,
- in Bergregionen die Telefonnummer der Unterkunft, falls du später kommst.
Gute Regionen für autofreies Wandern
| Region | Warum gut geeignet |
|---|---|
| Mittelrheintal | Bahnstrecken auf beiden Rheinseiten, Fähren, viele Etappenorte |
| Sächsische Schweiz | S-Bahn entlang der Elbe, Fähren, Busse in die Seitentäler, siehe Malerweg |
| Schwarzwald | dichtes Bahnnetz, Gästekarte in vielen Orten |
| Bayerischer Wald | Waldbahn und Igelbusse im Nationalpark |
| Bayerische Alpen | Bahnen bis Garmisch, Berchtesgaden, Oberstdorf, dazu Busse in die Täler |
Ein Beispiel: eine Streckenwanderung planen
Angenommen, du möchtest an einem Samstag eine Etappe eines Fernwanderwegs im Mittelgebirge gehen: 16 Kilometer und 450 Höhenmeter von einem Bahnhof im Tal zu einem anderen.
- Nach der Faustformel ergibt das rund fünf Stunden reine Gehzeit. Mit Pausen und einer Einkehr planst du sechseinhalb Stunden.
- Am Zielbahnhof fährt am Samstagnachmittag stündlich ein Regionalzug, der letzte um 19 Uhr. Du wählst den Zug um 18 Uhr als Ziel, damit eine Stunde Reserve bleibt.
- Rechnest du sechseinhalb Stunden zurück, musst du spätestens um halb zwölf am Startbahnhof loslaufen. Besser früher, falls der Weg länger dauert.
- Die Hinfahrt mit Umstieg dauert anderthalb Stunden. Du nimmst den Zug, der um zehn Uhr am Startbahnhof ankommt.
- Unterwegs liegen zwei Orte mit Bushaltestellen. Du notierst die Abfahrtszeiten am Samstag als Notausstieg.
So entsteht ein Tag ohne Hetze, mit Puffer für Pausen, Fotos und den Fall, dass ein Zug ausfällt.
Mehrtägige Touren ohne Auto
Auch für mehrtägige Wanderungen ist der Verzicht aufs Auto oft die bessere Wahl. Du reist zum Startort, gehst von Unterkunft zu Unterkunft und fährst vom Zielort mit der Bahn heim. Kein Auto muss zum Startpunkt zurückgeholt werden. Auf vielen Fernwanderwegen organisieren Anbieter den Gepäcktransport, sodass du nur einen Tagesrucksack trägst. Wie du eine solche Tour planst, beschreibt Die erste Fernwanderung planen.
Häufige Fragen
Darf ich Wanderstöcke und große Rucksäcke mitnehmen?
Ja. Schiebe Stöcke zusammen oder verstaue sie am Rucksack, mit den Spitzen nach unten oder mit Schutzkappen. Große Rucksäcke gehören in die Gepäckablage oder vor die Füße.
Kann ich meinen Hund mitnehmen?
In den meisten Verkehrsverbünden ja, manchmal mit eigenem Fahrschein und Maulkorbpflicht für große Hunde. Die Regeln unterscheiden sich je nach Verbund. Mehr Tipps stehen in Wandern mit Hund.
Lohnt sich das mit Kindern?
Ja. Für Kinder ist die Zugfahrt oft schon Teil des Abenteuers. Plane kurze Strecken mit Haltestellen unterwegs, damit du flexibel bleibst.